Gutachterverfahren
Gutachterverfahren Eingangsbereich ehemalige Kaserne Krampnitz
Nur für eingeweihte weist heute der markante Turm auf das hinter Bäumen und Absperrungen isoliert seitlich der Bundesstraße liegende Kasernenareal. Um das auf dem ehemaligen Militärgelände entstehende Wohnquartier in das erweiterte Stadtgefüge Potsdams einzubinden, muss zuerst die Erschließungssituation grundsätzlich neu konzipiert werden, so dass die Straße nicht am Quartier vorbei, sondern durch den Eingangsbereich des Quartiers führt und zwar so, dass ein lebendiger öffentlicher Stadtraum entsteht, an dem die wichtigsten infrastrukturellen Einrichtungen – Verkehr, Handel, Dienstleistungen – untergebracht werden. Dies wird ermöglicht durch die vorgeschlagene neue Straßenführung und eine Straßenkreuzung anstatt eines Kreisverkehrs. Die neue Straßenführung schafft eine völlig neue Ausgangssituation, um den Eingangsbereich des Quartiers zu gestalten. Die räumlichen Beziehungen werden verbessert. Es werden mehrere attraktive Baufelder arrondiert, der Verkehr wird entschleunigt, die Straße in den öffentlichen Raum integriert.
Der Wettbewerbsbeitrag von Müller Reimann Architekten schlägt einen zentralen, identitätsstiftenden Eingangsort des Quartiers als einen neuen Quartiersplatz vor. Dieser Platz wird durch lose, orthogonal zueinander angeordnete Solitärgebäude gebildet, in denen die für das öffentliche Leben und die Versorgung des Quartiers notwenigen Einrichtungen untergebracht werden – der Supermarkt, Läden, Dienstleistungen, gesundheitliche Einrichtungen, Gastronomie. Die Konzentration öffentlicher Einrichtungen am Platz stärkt seine Bedeutung sowie die Benutzerfrequenz und ermöglicht erst sein Funktionieren als öffentlicher Raum in dieser sehr landschaftlich geprägten Lage und bei einer relativ geringen Bebauungsdichte.
Die ergänzende Wohnbebauung fügt sich in die städtebauliche und erschließungstechnische Grundordnung der bestehenden Bebauung ein. Diese Bezugnahme ermöglicht auf eine natürliche Art und Weise die Orientierung und Adressenbildung innerhalb des Areals. Trotz der Bezugnahme auf die städtebauliche Struktur der Kaserne setzen sich die neuen Häuser durch andere Typologie und architektonische Gestaltung deutlich von den Bestandsbauten ab und bieten Wohnungstypologien an, die in den winkelförmigen Bauten der ehemaligen Kaserne nicht möglich sind. Sie profitieren zudem von der sehr exponierten, landschaftlich geprägten Lage und dem weiten Blick von der erhöhten Lage auf der Böschung zum See und die Landschaft hin.